Veröffentlicht am März 11, 2024

Zusammenfassend:

  • Die Haftung einer Folie ist keine Magie, sondern Physik. Temperatur und Oberflächenreinheit sind die entscheidenden, nicht verhandelbaren Faktoren.
  • Die Materialwahl ist strategisch: Eine günstige, kalandrierte Folie wird in tiefen Sicken immer versagen. Gegossene Folien sind für 3D-Verformungen alternativlos.
  • Ein dreistufiger Reinigungsprozess (Entfetter, Silikonentferner, Isopropanol) ist der einzige Weg, um eine molekular saubere Oberfläche und somit eine dauerhafte Haftung zu garantieren.
  • Die richtige Technik, wie die Nassverklebung bei Glas oder die „Pull-Technik“ mit dem Rakel, schützt vor Blasen und Kratzern und sichert die Qualität.
  • Professionelle Arbeit endet nicht mit der Verklebung, sondern mit der Aufklärung des Kunden (Pflegehinweise, Übergabeprotokoll), um die Langlebigkeit der Folierung zu sichern.

Jeder Werbetechniker kennt den Schmerz: Man liefert ein perfekt foliertes Fahrzeug aus, und wenige Wochen später ruft der Kunde an. Kanten lösen sich, in den Sicken zieht sich die Folie zurück, oder unschöne Blasen sind aufgetaucht. Die Folge sind teure Nacharbeiten, Materialverlust und, schlimmer noch, ein beschädigter Ruf. Oft wird dann nach einfachen Antworten gesucht – die Folie sei schlecht, das Wetter zu kalt oder der Kunde habe das Auto falsch gewaschen. Diese Erklärungen kratzen jedoch nur an der Oberfläche.

Die meisten Anleitungen beschränken sich auf grundlegende Ratschläge wie „die Oberfläche gut reinigen“ oder „bei Kälte nicht arbeiten“. Doch für den Profi, der nach Perfektion und Effizienz strebt, reicht das nicht aus. Die wahre Meisterschaft in der Folienverarbeitung liegt nicht im Befolgen von Regeln, sondern im Verständnis der dahinterliegenden Prinzipien. Es geht um Materialwissenschaft, um die molekulare Interaktion zwischen Klebstoff und Untergrund und um die gezielte Steuerung physikalischer Kräfte.

Wenn die wahre Ursache für Reklamationen also nicht Pech ist, sondern ein unzureichendes Verständnis der unsichtbaren Kräfte, die am Werk sind? Dieser Leitfaden bricht mit den Oberflächlichkeiten. Statt nur das „Was“ zu erklären, tauchen wir tief in das „Warum“ ein. Wir behandeln die Folie nicht als blosse Dekoration, sondern als ein technisches Material mit spezifischen Eigenschaften, die es zu beherrschen gilt. Von der kritischen Rolle der Temperatur über die Chemie der Vorreinigung bis hin zur richtigen Materialwahl für anspruchsvolle 3D-Verformungen – hier finden Sie das Expertenwissen, das den Unterschied zwischen einer guten und einer makellosen, langlebigen Folierung ausmacht.

Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden technischen Aspekte, die in der Praxis über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Das folgende Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, mit denen Sie Ihre Arbeit auf Meisterniveau heben und Reklamationen zur Seltenheit machen.

Warum Folien unter 10 Grad Celsius nicht haften und wie Sie im Winter montieren

Die Aussage „Bei Kälte nicht folieren“ ist eine grobe Vereinfachung. Das eigentliche Problem ist nicht die Luft-, sondern die Oberflächentemperatur des Fahrzeugs. Unter etwa 10 °C verändert der Acrylatklebstoff der meisten Folien seine Viskosität drastisch. Er wird hart und glasig und verliert seine Fähigkeit, in die mikroskopischen Poren des Lacks zu „fliessen“ und eine dauerhafte molekulare Verbindung einzugehen. Die anfängliche Haftung (Tack) ist minimal, und die Endhaftung wird nie erreicht. Das ist reine Physik, kein Anwenderfehler. Besonders in einem Land wie Deutschland, wo laut Deutschem Wetterdienst der Winter 2023/24 mit durchschnittlich 4,1 °C deutlich milder, aber immer noch zu kalt für eine direkte Aussenverarbeitung war, ist die Kontrolle der Bedingungen entscheidend.

Eine professionelle Wintermontage erfordert daher die Schaffung einer kontrollierten Umgebung. Es reicht nicht aus, kurz vor der Arbeit die Heizung in der Werkstatt aufzudrehen. Die gesamte Masse des Fahrzeugs, insbesondere das kalte Metall, muss durchgewärmt werden. Andernfalls wirkt das Blech wie ein riesiger Kühlkörper, der der Folie und dem Klebstoff sofort nach dem Auflegen die Wärme entzieht und die Haftung sabotiert. Die Verwendung eines Infrarot-Thermometers zur Messung der direkten Oberflächentemperatur ist daher obligatorisch und weitaus präziser als die Messung der Raumluft. Nur wenn die Oberfläche selbst konstant über der vom Folienhersteller empfohlenen Mindesttemperatur liegt, ist eine prozesssichere Verklebung möglich.

Die Folie selbst muss ebenfalls akklimatisiert sein. Eine kalte Folienrolle ist steifer und der Klebstoff inaktiv. Sie muss mehrere Stunden bei Raumtemperatur lagern, um ihre optimalen Verarbeitungseigenschaften zu erreichen. Nach der Montage ist Geduld der Schlüssel: Das Fahrzeug sollte mindestens 12, besser 24 Stunden, in der warmen Halle verbleiben. In dieser Zeit kann der Klebstoff seine volle Haftkraft aufbauen, bevor er den Temperaturschwankungen der Aussenwelt ausgesetzt wird.

Wann Sie Wasser nutzen müssen, um Blasen zu vermeiden (und wann es verboten ist)

Die Entscheidung zwischen Nass- und Trockenverklebung ist eine der grundlegendsten Weichenstellungen in der Folientechnik. Die Nassverklebung ist kein Allheilmittel, sondern eine spezifische Technik für bestimmte Anwendungsfälle. Ihre grösste Stärke liegt in der Schaffung eines temporären Gleitfilms zwischen Klebstoff und Oberfläche. Dieses Wasser-Gemisch senkt die Oberflächenspannung und erlaubt es, grosse Folienstücke blasenfrei zu positionieren und bei Bedarf zu korrigieren. Besonders bei grossen, glatten Flächen wie Fahrzeugscheiben oder ebenen Karosserieteilen ist dies von unschätzbarem Wert.

Dieser Absatz führt das Konzept der Nassverklebung auf einer Glasfläche ein. Die untenstehende Abbildung veranschaulicht den präzisen Moment, in dem das Wasser mit einem Rakel unter der Folie herausgepresst wird.

Detailaufnahme der professionellen Nassverklebungstechnik auf Glasfläche

Wie dieses Detailbild zeigt, ist die Technik entscheidend. Der entscheidende Fehler, den viele machen, ist die Verwendung von herkömmlichem Spülmittel. Dessen enthaltene Tenside und Rückfetter können eine unsichtbare Schicht hinterlassen, die die Endhaftung des Klebers beeinträchtigt. Profis verwenden ausschliesslich destilliertes Wasser mit einem einzigen Tropfen pH-neutralem Baby-Shampoo, da dieses keine schädlichen Rückstände hinterlässt. Die Trocknungszeit ist der Nachteil: Je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit kann es Tage dauern, bis die volle Haftung erreicht ist. In dieser Zeit ist die Folie anfällig für Verschiebungen.

Die Trockenverklebung hingegen ist die Methode der Wahl für moderne Folien mit Luftkanaltechnologie. Diese Folien sind darauf ausgelegt, dass eingeschlossene Luft durch die mikroskopisch feinen Kanäle im Klebstoff einfach herausgerakelt werden kann. Eine Nassverklebung würde diese Kanäle mit Wasser füllen und ihre Funktion zunichtemachen. Ebenso ist sie bei 3D-Verformungen in Sicken und auf gewölbten Teilen verboten, da das Wasser die notwendige Hitzeeinwirkung zum Strecken und Tempern der Folie behindern würde. Die folgende Tabelle fasst die Methoden zusammen:

Verklebungsmethoden im Vergleich
Methode Anwendungsbereich Vorteile Nachteile
Nassverklebung Grosse Glasflächen Repositionierbar Lange Trocknungszeit
Trockenverklebung Luftkanal-Folien Schnelle Haftung Keine Korrektur möglich
Halbfeucht Kleine Details Präzise Platzierung Erfahrung nötig

Günstig oder 3D-verformbar: Welche Folie passt in die Sicke am Auto?

Eine der häufigsten und teuersten Reklamationen ist eine Folie, die sich nach kurzer Zeit aus tiefen Sicken, Nieten oder starken Wölbungen zurückzieht. Die Ursache ist fast immer eine falsche Materialwahl, basierend auf einem mangelnden Verständnis der Materialwissenschaft. Der grundlegende Unterschied liegt in der Herstellung der PVC-Folie: kalandriert oder gegossen. Kalandrierte Folien werden aus einem PVC-Block durch grosse, heisse Walzen gepresst und auf die gewünschte Dicke gestreckt. Dieser Prozess erzeugt eine permanente innere Spannung im Material.

Man kann es sich wie ein stark gespanntes Gummiband vorstellen. Wenn man eine solche Folie mit Hitze in eine Sicke einarbeitet, dehnt man sie noch weiter. Über Zeit und durch Temperaturschwankungen (heisse Sonne, kalte Nacht) versucht das Material, in seine ursprüngliche, flache Form zurückzukehren. Dieses Phänomen wird als Spannungsgedächtnis bezeichnet. Die Haftkraft des Klebers reicht nicht aus, um dieser permanenten Rückstellkraft standzuhalten – die Folie löst sich unweigerlich. Wie Experten betonen, ist dieser Effekt materialbedingt:

Kalandrierte Folien haben eine ‚Erinnerung‘ und ziehen sich aus tiefen Sicken zurück. Gegossene Folien sind spannungsfrei und bleiben formstabil.

– Signal Wrapping GmbH, Fachbeitrag zur Materialauswahl

Gegossene Folien (Cast-Folien) hingegen werden in einem spannungsfreien Prozess hergestellt. Ein flüssiges PVC-Gemisch wird auf ein Trägerpapier gegossen und trocknet dort zu einem Film. Da das Material nicht unter mechanischem Stress hergestellt wird, besitzt es kein solches Gedächtnis. Es ist von Natur aus formstabil und kann stark verformt werden, ohne den Drang zu haben, sich zurückzuziehen. Für jede anspruchsvolle 3D-Anwendung, insbesondere tiefe Sicken an Fahrzeugen, sind gegossene Folien daher die einzig prozesssichere Wahl. Der höhere Preis amortisiert sich schnell durch die Vermeidung von Nacharbeiten.

Der Fehler bei der Vorreinigung, der nach 2 Wochen zur Ablösung führt (Silikonreste)

Eine unzureichende Vorreinigung ist der stille Killer jeder Folierung. Das Problem ist nicht der sichtbare Schmutz, sondern die unsichtbaren Kontaminationen, die die molekulare Haftung des Klebers verhindern. Der Hauptfeind ist Silikon. Es ist in unzähligen Autopflegeprodukten wie Wachsen, Polituren, Reifenglanz und Cockpit-Sprays enthalten. Silikon bildet einen extrem dünnen, wasserabweisenden Film mit einer sehr niedrigen Oberflächenenergie. Der Folienkleber kann auf dieser Schicht nicht haften – er „perlt“ quasi ab, genau wie Wasser auf einer gewachsten Haube.

Die fatale Fehleinschätzung vieler Anwender ist, zu glauben, eine einfache Wäsche oder ein Wisch mit Alkohol reiche aus. Doch herkömmliche Reiniger können Silikon oft nur verschmieren, nicht vollständig entfernen. Die Folie mag anfangs haften, aber unter dem Einfluss von Temperaturschwankungen und mechanischer Belastung löst sie sich nach Tagen oder Wochen an den kontaminierten Stellen. Ein einfacher, aber effektiver Test ist der Wassertropfen-Test: Sprüht man feinen Wassernebel auf die gereinigte Fläche, müssen sich gleichmässige, flache „Seen“ bilden. Bilden sich hingegen runde, hohe Perlen, ist die Oberflächenspannung zu hoch – ein klares Indiz für verbliebene Silikon- oder Wachsreste.

Dieser Absatz beschreibt den Wassertropfen-Test zur Überprüfung der Oberflächenreinheit. Die folgende Abbildung zeigt einen Profi bei der Durchführung dieses Tests, wobei die perfekten Wassertropfen die hohe Qualität der Vorbereitung signalisieren.

Wassertropfen-Test zur Überprüfung der Oberflächenreinheit vor Folierung

Um eine prozesssichere Haftung zu garantieren, ist ein kompromissloser, dreistufiger Reinigungsprozess unerlässlich. Jeder Schritt hat eine spezifische Funktion und kann nicht übersprungen oder ersetzt werden. Nur diese systematische Vorgehensweise stellt sicher, dass der Lack porentief rein und für die molekulare Verbindung mit dem Klebstoff optimal vorbereitet ist. Es ist ein Aufwand, der sich in der Langlebigkeit der Folierung um ein Vielfaches auszahlt.

Checkliste für garantierte Haftung: Der 3-Stufen-Reinigungsprozess

  1. Stufe 1: Vorreinigung mit Entfetter. In diesem Schritt werden alle groben Verschmutzungen, Teer, Insektenreste und vor allem alte Wachsschichten mit einem lackverträglichen Entfetter auf Zitrus- oder Lösemittelbasis entfernt.
  2. Stufe 2: Tiefenreinigung mit Silikonentferner. Dies ist der kritischste Schritt. Mit einem speziellen Silikonentferner und sauberen, fusselfreien Tüchern wird die gesamte Oberfläche systematisch Bahn für Bahn abgerieben, um die hartnäckigen Silikonpolymere chemisch zu lösen und abzutragen.
  3. Stufe 3: Endreinigung mit Isopropylalkohol (70%). Der Alkohol entfernt die letzten Reste des Silikonentferners und eventuelle Fingerabdrücke. Er verdunstet rückstandsfrei und hinterlässt eine perfekt saubere, haftungsbereite Oberfläche.

Wann ein Rakel mit Filzkante Kratzer auf Hochglanzfolie verhindert

Das Werkzeug ist die Verlängerung der Hand des Werbetechnikers. Ein falscher Rakel kann eine teure Hochglanzfolie in Sekunden ruinieren. Die Wahl des richtigen Rakels hängt von zwei Faktoren ab: der Härte des Kunststoffs und der Beschaffenheit der Kante. Die Härte, gemessen in Shore, bestimmt, wie flexibel oder steif die Rakelkante ist und wie sie den Druck auf die Folie überträgt.

Für extrem empfindliche Oberflächen wie chrom- oder hochglänzende Folien ist ein weicher Rakel (ca. 60-70 Shore) mit einer Filz- oder Mikrofaser-Kante absolute Pflicht. Der weiche Kunststoff passt sich besser an leichte Unebenheiten an, und die Filzkante gleitet über die Oberfläche, anstatt zu kratzen. Sie fungiert als Puffer, der mikroskopisch kleine Staubpartikel aufnimmt, die sonst zwischen Rakel und Folie wie Schleifpapier wirken würden. Ein harter Kunststoffrakel ohne Schutz würde auf einer solchen Folie unweigerlich feine Haarlinienkratzer (Swirls) hinterlassen, die besonders im Sonnenlicht sichtbar werden und eine Reklamation rechtfertigen.

Die Technik ist ebenso entscheidend wie das Werkzeug. Viele Anwender machen den Fehler, den Rakel mit hohem Druck zu schieben. Die professionelle Methode, insbesondere bei Folien mit Luftkanälen, ist die „Pull-Technik“. Dabei wird der Rakel in einem flachen 45-Grad-Winkel über die Folie gezogen. Dieser ziehende Bewegungsablauf aktiviert die Luftkanäle effizienter und presst die Luft sanft heraus, anstatt sie vor dem Rakel her zu schieben und einzuschliessen. Wichtig ist auch die Prozesshygiene: Die Filzkante sollte regelmässig kontrolliert und bei Verschmutzung oder Abnutzung, idealerweise nach jedem zweiten oder dritten Fahrzeug, ausgetauscht werden, um Kratzer durch eingeschlossene Partikel zu vermeiden.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die verschiedenen Rakeltypen und ihre idealen Einsatzgebiete, basierend auf ihrer Härte:

Rakel-Härtegrade und ihre Anwendungsbereiche
Shore-Härte Typ Anwendung Material
60-70 Shore Weich Hochglanzfolien Mit Filzkante
75-85 Shore Medium Matte Folien Standard-Kunststoff
90+ Shore Hart Strukturfolien Teflon-beschichtet

Wie Sie folierte Autos waschen, ohne dass sich die Kanten ablösen

Die beste Folierung kann durch falsche Pflege ruiniert werden. Die Verantwortung des Profis endet nicht bei der Übergabe des Fahrzeugs, sondern schliesst die umfassende Aufklärung des Kunden mit ein. Sich lösende Kanten nach einer Autowäsche sind oft kein Materialfehler, sondern die Folge von zu aggressivem Wasserdruck oder falschen Reinigungsmitteln. Die Kanten und Ecken einer Folierung sind die mechanisch am stärksten beanspruchten Punkte. Ein Hochdruckreiniger-Strahl, der aus zu kurzem Abstand (weniger als 50-70 cm) direkt auf eine Kante gerichtet wird, wirkt wie ein Skalpell. Er dringt unter die Folie, hebt sie an und zerstört die Verklebung irreparabel.

Auch die Chemie spielt eine grosse Rolle. Viele Waschstrassen-Programme wie „Heisswachs“ oder „Glanzspülung“ verwenden aggressive Zusätze, die die Weichmacher in der PVC-Folie angreifen und sie spröde machen können. Ebenso sind stark alkalische oder säurehaltige Reiniger wie Insektenentferner oder Felgenreiniger tabu für die folierte Oberfläche. Sie können die Farbe verändern oder den Klebstoff an den Rändern angreifen. Die einzig sichere Methode ist die Handwäsche mit einem pH-neutralen Autoshampoo und weichen Mikrofasertüchern.

Um sich vor ungerechtfertigten Reklamationen zu schützen und die Kundenzufriedenheit zu sichern, ist eine proaktive Kommunikation der Schlüssel. Die Erstellung eines detaillierten Pflegepasses, der dem Kunden bei der Übergabe ausgehändigt und von ihm unterschrieben wird, ist ein Zeichen höchster Professionalität. Dieses Dokument klärt unmissverständlich über die Do’s und Don’ts auf und verlagert die Verantwortung für die sachgemässe Pflege zum Fahrzeughalter.

Fallstudie: Das Übergabeprotokoll als Qualitätssicherung

Ein führendes deutsches Folierungsunternehmen hat die Anzahl der Reklamationen im Zusammenhang mit der Fahrzeugwäsche um über 80% reduziert, seit es ein standardisiertes Übergabeprotokoll eingeführt hat. Dieses Protokoll enthält klare, bebilderte Anweisungen zur richtigen Pflege, insbesondere zum Mindestabstand bei der Hochdruckreinigung und zur Vermeidung bestimmter Waschprogramme. Der Kunde bestätigt mit seiner Unterschrift, dass er die Pflegehinweise erhalten und verstanden hat. Dies schützt nicht nur den Betrieb rechtlich, sondern stärkt auch das Vertrauen des Kunden in die Professionalität der Arbeit.

Warum herkömmliches PVC nach 2 Sommern brüchig wird und reisst

Die Langlebigkeit einer Folie hängt massgeblich von ihrer Fähigkeit ab, Umwelteinflüssen standzuhalten. Die beiden grössten Feinde jeder PVC-Folie sind UV-Strahlung und extreme Temperaturschwankungen. In Deutschland sind diese Belastungen erheblich; die extremen Temperaturschwankungen in Deutschland mit einer Spanne, die von unter -15°C im Winter bis über +35°C im Sommer reichen kann, setzen das Material unter permanenten Stress. Eine herkömmliche, monomere kalandrierte PVC-Folie ist für diese Belastung nicht ausgelegt.

Der Grund für das Verspröden liegt in der sogenannten Weichmacher-Migration. Weichmacher sind chemische Zusätze im PVC, die dem Material seine Flexibilität verleihen. Unter dem Einfluss von Wärme und UV-Strahlung beginnen diese Moleküle, aus der Folie „auszuwandern“ – sie verdunsten langsam an der Oberfläche. Dadurch verliert die Folie ihre Elastizität, wird hart, spröde und reisst schliesslich bei der geringsten Belastung. Dieser Prozess wird durch dunkle Farben, die sich in der Sonne stark aufheizen, noch beschleunigt. Ein Experte für Materialforschung fasst das Problem prägnant zusammen:

UV-Strahlung und Wärme beschleunigen die Weichmacher-Migration, wodurch die PVC-Folie ihre Flexibilität verliert – besonders hinter dunklen Scheiben im deutschen Sommer.

– Dr. Michael Schmidt, Materialforschung Kunststofftechnik

Hochwertige, polymere oder gegossene Folien verwenden langkettige Weichmacher, die deutlich stabiler im Material verankert sind und langsamer migrieren. Zusätzlich enthalten sie effektivere UV-Blocker, die die schädliche Strahlung absorbieren und die Lebensdauer der Folie drastisch verlängern. Die Wahl einer billigen Folie für eine langfristige Aussenanwendung ist daher eine klassische Scheininvestition. Die anfängliche Ersparnis wird durch die Kosten für die Entfernung der brüchigen, alten Folie und die Neufolierung nach nur ein oder zwei Sommern bei weitem aufgefressen. Für eine dauerhafte Fahrzeugbeschriftung, die mehrere Jahre halten soll, ist die Investition in eine polymere oder gegossene Folie mit entsprechendem UV-Schutzlaminat die einzig wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Physik vor Ästhetik: Die Beherrschung von Temperatur, Oberflächenreinheit und der richtigen Rakeltechnik ist die Grundlage für jede haltbare Folierung.
  • Material entscheidet: Die Wahl zwischen kalandrierter und gegossener Folie ist keine Preis-, sondern eine Anwendungsfrage. Eine falsche Wahl führt unweigerlich zu Reklamationen.
  • Prozesssicherheit als Maxime: Standardisierte Abläufe, wie der dreistufige Reinigungsprozess und das Übergabeprotokoll, minimieren Fehlerquellen und schützen vor ungerechtfertigten Ansprüchen.

Wie verwandeln Sie Ihren Fuhrpark in eine rollende Werbekolonne mit hohem ROI?

Eine professionell ausgeführte Fahrzeugfolierung ist weit mehr als nur eine optische Aufwertung. Sie ist eine der kosteneffizientesten Werbemassnahmen überhaupt. Jedes Fahrzeug im Fuhrpark wird zu einer mobilen Werbetafel, die 24 Stunden am Tag die Markenbotschaft verbreitet – im dichten Stadtverkehr, auf der Autobahn oder auf dem Kundenparkplatz. Eine Studie des Fachverbands Aussenwerbung zeigt, dass Fahrzeugwerbung bis zu 25.000 Sichtkontakte pro Tag im städtischen Verkehr generieren kann. Rechnet man die einmaligen Investitionskosten auf die Lebensdauer der Folierung und die enorme Reichweite um, ergibt sich ein unschlagbar hoher Return on Investment (ROI) im Vergleich zu klassischen Anzeigen oder Plakatwerbung.

Der Schlüssel zu diesem Erfolg liegt jedoch in der Qualität und Langlebigkeit der Ausführung. Eine abblätternde, verblichene oder rissige Folierung erzeugt einen negativen Eindruck und schadet dem Markenimage mehr, als sie nützt. Alle in diesem Leitfaden besprochenen technischen Aspekte – von der Wahl der gegossenen Folie für Langlebigkeit über die perfekte, silikonfreie Vorreinigung bis hin zur fachgerechten Pflege – sind die Voraussetzung dafür, dass diese Investition ihre volle Wirkung entfaltet. Nur eine makellose Folierung, die über Jahre hinweg brillant aussieht, transportiert die Werte von Qualität und Professionalität, für die das beworbene Unternehmen stehen will.

Darüber hinaus muss die Ausführung in Deutschland zwingend den gesetzlichen Vorgaben der Strassenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) entsprechen, um rechtliche Probleme zu vermeiden. Eine professionelle Beratung schliesst die Kenntnis dieser Regeln mit ein:

  • Die Frontscheibe darf oberhalb der Wischerblätter nicht foliert werden, ausgenommen ist ein bis zu 10 cm breiter Sonnenschutzstreifen am oberen Rand.
  • Stark reflektierende oder spiegelnde Folien sind in der Regel unzulässig oder benötigen eine spezielle Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE).
  • Scheinwerfer, Rückleuchten und andere Beleuchtungseinrichtungen dürfen nicht foliert werden, da dies ihre Lichtdurchlässigkeit und Signalwirkung verändert.
  • Die amtlichen Kennzeichen müssen stets vollständig sichtbar und unbedeckt bleiben.
  • Wird die ursprüngliche Fahrzeugfarbe durch die Folierung grossflächig (meist über 50 % der sichtbaren Fläche) geändert, muss diese Änderung in den Fahrzeugpapieren eingetragen werden.

Die Transformation eines Fuhrparks ist eine Investition, deren Erfolg von der technischen Perfektion und der Einhaltung aller Rahmenbedingungen abhängt.

Heben Sie Ihr Handwerk auf die nächste Stufe. Wenden Sie diese Prinzipien der Materialwissenschaft und Prozesssicherheit an, um nicht nur Fahrzeuge zu folieren, sondern um langlebige, beeindruckende Werbeträger zu schaffen, die den Erfolg Ihrer Kunden sichtbar machen.

Häufige Fragen zur Pflege folierter Fahrzeuge

Welcher Abstand beim Hochdruckreiniger?

Halten Sie einen Mindestabstand von 50 bis 70 Zentimetern zur folierten Oberfläche ein. Zielen Sie mit dem Wasserstrahl niemals direkt auf Kanten oder Ecken, da der hohe Druck die Folie anheben und beschädigen kann.

Welche Waschprogramme vermeiden?

Meiden Sie Programme mit Heisswachs oder aggressiven Glanzspülungen. Die darin enthaltenen Chemikalien können die Weichmacher der Folie angreifen und ihre Oberfläche auf Dauer schädigen.

Welches Shampoo verwenden?

Verwenden Sie für die Handwäsche ausschliesslich pH-neutrale Autoshampoos. Aggressive Reiniger wie Insektenentferner oder Felgenreiniger sollten nicht auf die Folie gelangen, da sie die Farbe oder den Kleber angreifen können.

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