Veröffentlicht am März 15, 2024

Die grösste Gefahr für Aussenwerbung ist nicht das Ausbleichen, sondern die unsichtbare Versprödung des Materials, die zu plötzlichem Versagen und erheblichen Haftungsrisiken führt.

  • Herkömmliches PVC verliert durch UV-Strahlung seine strukturelle Integrität, was durch mechanische Spannung (Wind, Montage) zu Spannungsrissen führt.
  • Eine präzise Standortanalyse (UV-Index, Windlastzone) vor der Materialwahl ist entscheidend, um die Lebensdauer realistisch zu planen.

Empfehlung: Fokussieren Sie sich auf die mechanische Beständigkeit statt nur auf die Lichtechtheit (Wollskala) und implementieren Sie regelmässige Sicherheitsprüfungen, um Ihrer Verkehrssicherungspflicht nach § 823 BGB nachzukommen.

Jeder Facility Manager und Werbetechniker kennt das Bild: Eine einst brillante Werbeanlage, die nach wenigen Jahren vergilbt, rissig und unansehnlich wirkt. Oft wird dies als rein ästhetisches Problem abgetan, das mit UV-beständigen Farben oder einer einfachen Laminierung zu lösen sei. Doch diese Sichtweise ist gefährlich und ignoriert die physikalische Realität. Die wahre Bedrohung durch intensive UV-Belastung ist unsichtbar und weitaus folgenschwerer als blosses Ausbleichen: die fortschreitende Materialversprödung, die die strukturelle Integrität Ihrer Anlagen untergräbt.

Die landläufige Meinung konzentriert sich auf die Lichtechtheit der Druckfarben. Man wählt Materialien mit hohen Werten auf der Wollskala und wähnt sich in Sicherheit. Aber was nützt die farbechteste Plane, wenn sie bei der nächsten stärkeren Windböe wie Glas zerspringt? Das Problem liegt tiefer, in der Zersetzung der Polymerketten des Trägermaterials selbst. Wenn diese Degradation auf mechanische Spannungen durch Windlast oder fehlerhafte Montage trifft, entsteht ein Phänomen namens Spannungsrisskorrosion – ein schleichender Prozess, der in einem plötzlichen, katastrophalen Versagen mündet.

Dieser Leitfaden bricht mit dem oberflächlichen Fokus auf das Verblassen. Stattdessen verfolgen wir einen ingenieurtechnischen Ansatz, der die wahren Ursachen der Materialermüdung in den Mittelpunkt stellt. Wir werden analysieren, warum Materialien versagen, wie Sie die spezifischen Risiken Ihres Standorts präzise bewerten und welche Schutzmassnahmen wirklich über Jahre hinweg Sicherheit bieten. Ziel ist es, Ihnen ein tiefes Verständnis der Materialwissenschaft zu vermitteln, damit Sie nicht nur ästhetisch ansprechende, sondern vor allem langlebige und sichere Werbeanlagen realisieren, die auch Ihrer gesetzlichen Verkehrssicherungspflicht in Deutschland gerecht werden.

Der folgende Artikel führt Sie systematisch durch die entscheidenden Aspekte zur Vermeidung von Materialermüdung. Wir decken die wissenschaftlichen Grundlagen, präventive Analysemethoden, Schutztechnologien und rechtliche Verpflichtungen ab, um Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.

Warum herkömmliches PVC nach 2 Sommern brüchig wird und reisst

Die schnelle Alterung von Standard-Polyvinylchlorid (PVC) unter Sonneneinstrahlung ist kein Zufall, sondern ein direkter chemischer Prozess. Das Kernproblem liegt in der Zersetzung der langen Polymerketten, die dem Material seine Flexibilität und Festigkeit verleihen. Hochenergetische UV-B-Strahlung agiert wie eine molekulare Schere: Sie bricht diese Ketten auf. In der Folge verliert das Material seine Weichmacher, wird hart, spröde und verliert seine Fähigkeit, mechanische Spannungen (wie Winddruck oder thermische Ausdehnung) elastisch abzufedern. Das Ergebnis ist eine dramatisch erhöhte Rissanfälligkeit.

Dieser Prozess wird als Photooxidation bezeichnet. Die freien Radikale, die durch die gespaltenen Polymerketten entstehen, reagieren mit dem Sauerstoff in der Luft und starten eine Kettenreaktion, die das Material von innen heraus zersetzt. Ein Werbebanner, das im ersten Jahr noch flexibel im Wind wehte, kann im zweiten oder dritten Sommer bereits so versprödet sein, dass ein starker Windstoss oder eine unachtsame Berührung ausreicht, um es einreissen zu lassen. Es ist wichtig, zwischen UV-Beständigkeit und UV-Stabilität zu unterscheiden. Viele als „UV-beständig“ beworbene Materialien enthalten lediglich Additive, die den Prozess verlangsamen, aber nicht vollständig aufhalten.

Während Materialien wie HDPE (High-Density Polyethylene) durch ihre chemische Struktur und spezielle UV-Schutzmittel eine höhere Langlebigkeit im Aussenbereich aufweisen, ist herkömmliches PVC ohne adäquaten Schutz für exponierte Lagen ungeeignet. Die Beobachtung, dass Kunststoffe und Lacke durch UV-Licht spröde werden und Risse bekommen, ist eine fundamentale Erkenntnis der Materialwissenschaft. Eine nachträglich aufgebrachte, hochwertige UV-Schutzfolie kann hier die Lebensdauer signifikant verlängern, indem sie die schädliche Strahlung filtert, bevor sie das Trägermaterial erreicht.

Wie Sie die UV-Intensität Ihres Standorts messen, bevor Sie das Material bestellen

Die Auswahl des richtigen Materials beginnt nicht im Katalog des Herstellers, sondern direkt am Montageort. Eine pauschale Annahme über die UV-Belastung ist fahrlässig; eine Südfassade in den bayerischen Alpen ist einer fundamental anderen Belastung ausgesetzt als eine Nordwand in Hamburg. Eine präzise Standortanalyse ist daher kein Luxus, sondern ein Gebot der technischen Vernunft und Risikominimierung. Sie müssen zwei Hauptfaktoren quantifizieren: die direkte UV-Strahlung und die mechanische Belastung durch Wind.

Messung der UV-Intensität an einem Werbestandort mit professionellen Messgeräten

Für eine professionelle Bewertung der UV-Intensität kommen spezielle UV-Messgeräte (Radiometer) zum Einsatz. Diese messen die exakte Strahlungsintensität in µW/cm². Doch auch ohne teures Equipment können Sie eine fundierte Ersteinschätzung vornehmen. Entscheidend sind die Himmelsrichtung, die geografische Lage (Höhenlage und Breitengrad) sowie mögliche Reflexionsflächen wie Wasser, Schnee oder helle Glas- und Metallfassaden, die die UV-Dosis vervielfachen können. Dokumentieren Sie den Schattenwurf von Nachbargebäuden zu verschiedenen Tageszeiten, um die Dauer der direkten Sonneneinstrahlung zu ermitteln.

Parallel zur UV-Analyse ist die Ermittlung der Windlast entscheidend. Deutschland ist gemäss DIN EN 1991-1-4 in vier Windlastzonen eingeteilt, die die zu erwartenden maximalen Windgeschwindigkeiten definieren. Wie eine detaillierte Windzonenkarte für Deutschland zeigt, unterliegen Küstenregionen und Gebirgslagen deutlich höheren Belastungen. Diese mechanische Kraft wirkt direkt auf das durch UV-Strahlung bereits geschwächte Material. Eine einfache Liste hilft bei der systematischen Erfassung:

  • Schattenwurf: Überprüfung des Schattens von Nachbargebäuden zu kritischen Zeiten (z.B. 9 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr) dokumentieren.
  • Himmelsrichtung: Exakte Ausrichtung der Fassade mit einer Kompass-App bestimmen (Süd/Südwest sind am kritischsten).
  • Windlastzone: Zuordnung des Standorts zu einer der vier deutschen Windlastzonen gemäss DIN 1991-1-4/NA.
  • Geländekategorie: Berücksichtigung der Umgebung (freies Feld vs. städtische Bebauung), die die Windbelastung stark beeinflusst.
  • Reflexionen: Erfassung von potenziellen Reflexionsquellen (Wasserflächen, Glasfassaden, helle Dächer, Schneeflächen im Winter).

Erst die Kombination dieser Daten erlaubt eine fundierte Materialentscheidung und die Planung notwendiger Schutzmassnahmen.

Flüssiglack oder Folienlaminat: Welcher Schutz hält 5 Jahre ohne Vergilben durch?

Ist die UV-Belastung am Standort analysiert, stellt sich die Frage nach dem optimalen Schutzsystem. Die Wahl zwischen einem Flüssiglack und einem Folienlaminat hängt von der geforderten Lebensdauer, dem Budget und den spezifischen Umwelteinflüssen ab. Beide Technologien zielen darauf ab, eine Opferschicht zu bilden, die die UV-Strahlung absorbiert oder reflektiert, bevor sie das Trägermaterial oder die Druckfarben erreicht. Ihre Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit unterscheiden sich jedoch erheblich.

Flüssiglacke (UV-Schutzlacke) werden nach dem Druck aufgetragen und härten unter UV-Licht aus. Sie bilden eine harte, kratzfeste Oberfläche. Ihre Schutzwirkung ist gut, aber ihre Lebensdauer ist oft auf zwei bis drei Jahre begrenzt. Bei starker Bewitterung können sie mit der Zeit ebenfalls verspröden und Mikrorisse entwickeln, die Feuchtigkeit eindringen lassen.

Folienlaminate sind die robustere Lösung für langfristige Aussenanwendungen. Hier wird eine transparente, UV-stabilisierte Folie auf den Druck kaschiert. Hochwertige gegossene PVC- oder spezielle Polyurethan-Laminate bieten einen Schutz von fünf bis sieben Jahren oder mehr. Sie sind nicht nur ein exzellenter UV-Filter, sondern schützen auch mechanisch vor Kratzern, Abrieb und Vandalismus. Wie Experten betonen, ist die Wahl des Schutzsystems entscheidend für die Haltbarkeit, wie eine Fachmeinung klarstellt:

Ein Schild im UV-Direktdruck hält outdoor rund drei Jahre. Firmenschilder mit Foliendruck sind im Aussenbereich rund sieben Jahre haltbar durch UV- und Kratz-Schutzlaminat.

– Aufkleberdrucker24, Fachbeitrag zu Werbeschildern und UV-Schutz

Die folgende Tabelle fasst die Eigenschaften gängiger Schutzsysteme zusammen, basierend auf einer vergleichenden Analyse von Finishing-Optionen.

Vergleich von UV-Schutzsystemen für Aussenwerbung
Schutzsystem UV-Beständigkeit Lebensdauer Eigenschaften
UV-Schutzlaminat Hoch Bis zu 3 Jahre Verlängerung Schutz vor Fingerabdrücken und leichten Kratzern
Anti-Graffiti-Laminat Sehr hoch 5+ Jahre Schmierereien mit Lösungsmitteln entfernbar
PP-Folien Mittel-Hoch 3-5 Jahre Beschreibbar mit Whiteboard-Markern
Hochglanz-Oberfläche Mittel 2-3 Jahre Edle Optik, spannende Akzente

Für Standorte mit hoher UV-Belastung und einer geforderten Lebensdauer von über fünf Jahren ist ein hochwertiges Folienlaminat, idealerweise ein Anti-Graffiti-Laminat, die technisch überlegene und langfristig wirtschaftlichere Wahl.

Das Risiko von Spannungsrissen: Wenn Montagefehler die UV-Alterung beschleunigen

Selbst das beste UV-Schutzlaminat ist wirkungslos, wenn die mechanischen Kräfte bei der Montage ignoriert werden. Die grösste Gefahr für die strukturelle Integrität einer Werbeanlage ist der Synergieeffekt aus UV-Versprödung und mechanischer Spannung. Dieses Phänomen, bekannt als Spannungsrisskorrosion, ist eine der häufigsten Ursachen für das vorzeitige und plötzliche Versagen von Kunststoffbauteilen im Aussenbereich.

Stellen Sie sich eine PVC-Plane vor, die an einem heissen Tag mit maximaler Kraft gespannt wird. Das Material dehnt sich. Nachts kühlt es ab und zieht sich zusammen. Diese thermisch induzierten Spannungen addieren sich zu der permanenten Zugspannung durch die Befestigung und der dynamischen Belastung durch Wind. Während das Material neu und elastisch ist, kann es diese Kräfte abfedern. Hat die UV-Strahlung jedoch bereits die Polymerketten geschädigt und das Material spröde gemacht, reichen schon geringe zusätzliche Belastungen aus, um Mikrorisse zu initiieren. Diese Risse, oft ausgehend von Kanten oder Ösen (Kerbwirkung), wachsen unter Last exponentiell, bis die Resttragfähigkeit des Materials überschritten wird und es schlagartig versagt.

Montagefehler sind hier ein entscheidender Brandbeschleuniger. Zu stark angezogene Schrauben bei Schildern, eine zu hohe Spannung bei Bannern oder die Verwendung von Befestigungsmitteln, die keine thermische Ausdehnung zulassen, erzeugen permanente, hohe Eigenspannungen im Material. Diese innere Spannung senkt die Schwelle für die Rissbildung dramatisch. Eine Analyse der Hintsteiner Group bestätigt, dass die durch UV-Strahlung verursachte Veränderung der mechanischen Eigenschaften Bauteile unbrauchbar machen kann, insbesondere unter Last.

Praxisbeispiel: Kerbempfindlichkeit bei UV-geschädigten Materialien

Eine Studie an Kunststoffen im Aussenbereich zeigt, dass UV-Strahlung nicht nur zu Farbveränderungen, sondern vor allem zu einer erhöhten Zerbrechlichkeit führt. Sobald das Material eine gewisse Versprödung aufweist, verschlechtert sich die Kerbempfindlichkeit rapide. Das bedeutet, dass kleine Defekte wie Kratzer oder scharfe Kanten an Befestigungspunkten, die bei neuem Material unproblematisch wären, bei einem UV-geschädigten Bauteil zum Ausgangspunkt für katastrophales Risswachstum unter mechanischer Belastung werden.

Die Prävention liegt daher nicht nur in der Materialwahl, sondern ebenso in einer fachgerechten, spannungsarmen Montage, die dem Material „Luft zum Atmen“ lässt und thermische Bewegungen erlaubt.

Wann Sie Sicherheitsprüfungen an spröden Materialien durchführen müssen (Verkehrssicherungspflicht)

Die Verantwortung für eine Werbeanlage endet nicht mit der Montage. Als Betreiber oder Eigentümer unterliegen Sie in Deutschland der Verkehrssicherungspflicht gemäss § 823 BGB. Das bedeutet, Sie müssen sicherstellen, dass von Ihrer Anlage keine Gefahr für Dritte ausgeht. Herabfallende Teile einer versprödeten Werbeanlage können zu erheblichen Personen- und Sachschäden führen, für die Sie voll haftbar gemacht werden. Diese rechtliche Verpflichtung macht regelmässige und dokumentierte Sicherheitsprüfungen unerlässlich.

Sobald ein Material Anzeichen von Versprödung zeigt – sichtbare Risse, Verfärbung, fehlende Flexibilität bei Berührung – ist sofortiges Handeln geboten. Warten Sie nicht, bis ein Schaden eintritt. Die Prüfintervalle hängen von der Exponiertheit des Standorts und dem Alter des Materials ab. Für hochbelastete Anlagen (z.B. in hohen Windlastzonen oder an stark frequentierten Orten) wird eine jährliche Sichtkontrolle dringend empfohlen. Nach aussergewöhnlichen Wetterereignissen wie Stürmen über Windstärke 8 ist eine ausserplanmässige Prüfung zwingend erforderlich.

Die Prüfungen müssen systematisch und nachvollziehbar dokumentiert werden. Ein detailliertes Protokoll schützt Sie im Schadensfall vor dem Vorwurf der Fahrlässigkeit. Diese Regelungen gelten für eine Vielzahl von Bauwerken, denn die zugrundeliegende Norm darf für Bauwerke bis zu einer Höhe von 300m angewendet werden, was die meisten Werbeanlagen einschliesst.

Checkliste: Prüfprotokoll zur Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht

  1. Jährliche Sichtkontrolle: Führen Sie eine detaillierte visuelle Inspektion der gesamten Werbeanlage durch und dokumentieren Sie den Zustand schriftlich mit Datum und Unterschrift.
  2. Prüfung nach Extremwetter: Nach jedem Sturm mit Windstärken über 8 Beaufort ist eine ausserordentliche Kontrolle der Anlage auf Schäden und Lockerungen durchzuführen und zu protokollieren.
  3. Kontrolle der Befestigungen: Überprüfen Sie alle Verankerungen, Schrauben und Halterungen auf festen Sitz, Anzeichen von Lockerung oder Korrosion.
  4. Materialinspektion: Untersuchen Sie das Schild- oder Planenmaterial sorgfältig auf Haarrisse, Abplatzungen, sichtbare Versprödung oder eine Ablösung von Schutzlaminaten.
  5. Dokumentation und Archivierung: Halten Sie alle Befunde, durchgeführten Wartungsarbeiten und Prüfergebnisse in einem Logbuch fest und bewahren Sie diese Protokolle für mindestens 5 Jahre auf.

Die Verkehrssicherungspflicht ist keine bürokratische Hürde, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Risikomanagements. Die Investition in regelmässige Prüfungen ist minimal im Vergleich zu den potenziellen Kosten und rechtlichen Konsequenzen eines Unfalls.

Warum ein Wert von 6 auf der Wollskala für Südseiten-Fassaden nicht reicht

In der Druck- und Werbebranche ist die Wollskala (auch Blaumassstab) das Standardmass zur Bestimmung der Lichtechtheit von Farben. Sie reicht von 1 (sehr gering) bis 8 (hervorragend). Ein Wert von 6 oder 7 wird oft als ausreichend für den Ausseneinsatz beworben. Für eine hochbelastete Südfassade ist diese Annahme jedoch eine gefährliche Fehleinschätzung. Die Wollskala bewertet ausschliesslich, wie schnell eine Farbe unter Lichteinfluss ausbleicht – sie sagt absolut nichts über die strukturelle Haltbarkeit des Trägermaterials aus.

Das Problem ist die Diskrepanz zwischen der Haltbarkeit der Farbe und der des Materials. Sie können eine Farbe mit Lichtechtheit 8 haben, die auch nach fünf Jahren noch brillant leuchtet, aber das darunterliegende PVC-Trägermaterial ist bereits so stark UV-geschädigt und versprödet, dass es bei der geringsten mechanischen Belastung bricht. Der Fokus auf die Wollskala lenkt vom eigentlichen Problem ab: der Materialermüdung. Ein hoher Wert auf der Wollskala wiegt den Anwender in einer falschen Sicherheit.

Experten weisen darauf hin, dass unterschiedliche Eigenschaften für den Ausseneinsatz relevant sind, die nicht verwechselt werden dürfen:

Fotopapier ist UV-beständig, allerdings ist die Wetterbeständigkeit nicht mit der Robustheit von Affichenpapier vergleichbar.

– Displayhersteller.de, Vergleich von Druckmaterialien für Aussenwerbung

Diese Analogie verdeutlicht das Prinzip: UV-Beständigkeit (Farbechtheit) ist nicht gleich Wetterbeständigkeit (mechanische Robustheit). Für anspruchsvolle Standorte müssen Sie Materialien wählen, deren Trägerstruktur explizit für hohe UV-Lasten und mechanische Beanspruchung ausgelegt ist. Hart-PVC-Platten oder Verbundmaterialien wie Dibond zeichnen sich beispielsweise durch eine hohe mechanische Festigkeit und eine gute Grundbeständigkeit gegen UV-Strahlung aus. Ihre Steifigkeit und harte Oberfläche machen sie für langlebige, präzise geformte Schilder deutlich geeigneter als flexible Materialien, deren strukturelle Integrität schneller abnimmt.

Verlassen Sie sich also nicht allein auf die Wollskala. Fragen Sie Ihren Lieferanten gezielt nach der nachgewiesenen Lebensdauer des Trägermaterials unter realen Aussenbedingungen und für Ihre spezifische UV- und Windlastzone.

Wann Sie die Randverstärkung doppelt säumen müssen (Lebensdauer)

Bei flexiblen Werbebannern und Planen sind die Ränder die Achillesferse. Hier konzentrieren sich die mechanischen Kräfte, die durch die Befestigungspunkte (Ösen) in das Material eingeleitet werden. Eine einfache Saumkante oder eine einzelne Schweissnaht ist für kleine Banner im windgeschützten Innenbereich ausreichend. An exponierten Aussenstandorten, insbesondere in den Windlastzonen 3 und 4 (Küsten, Gebirge), ist eine solche Konfektionierung jedoch eine programmierte Sollbruchstelle.

Eine doppelt gesäumte und verschweisste Randverstärkung ist hier keine Option, sondern eine technische Notwendigkeit. Dabei wird der Rand der Plane nicht nur einmal, sondern zweimal umgeschlagen und anschliessend hochfrequenzverschweisst oder vernäht. Dies vervielfacht die Materialstärke und verteilt die Zugkräfte von den Ösen auf eine viel grössere Fläche. Die Gefahr, dass eine Öse aus dem Material reisst und damit eine Kettenreaktion des Zerstörens einleitet, wird so drastisch reduziert.

Detailaufnahme einer doppelt gesäumten Randverstärkung an einem Werbebanner

Die Entscheidung für oder gegen eine doppelte Säumung sollte direkt aus der Standortanalyse (siehe Abschnitt 2) abgeleitet werden. Die Faustregel ist einfach: Je grösser die Fläche des Banners und je höher die erwartete Windlast, desto zwingender ist eine maximale Randverstärkung. Ab einer Bannergrösse von 10 m² in Windlastzone 2 oder für jede Grösse in den Zonen 3 und 4 sollte ein doppelter Saum Standard sein. Zusätzlich kann ein eingeschweisstes Gurtband die Stabilität weiter erhöhen.

Diese Massnahme ist eine der kostengünstigsten und effektivsten Methoden, um die Lebensdauer eines Banners zu verlängern. Die geringen Mehrkosten für die aufwendigere Konfektionierung amortisieren sich schnell, indem sie einen vorzeitigen Austausch aufgrund von Sturmschäden verhindern. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine durchdachte technische Spezifikation, basierend auf einer Risikoanalyse, die Langlebigkeit und Sicherheit einer Werbeanlage fundamental verbessert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Risikoanalyse vor Materialwahl: Bewerten Sie immer zuerst die spezifische UV- und Windlast Ihres Standorts, bevor Sie ein Material spezifizieren.
  • Struktur vor Ästhetik: Priorisieren Sie die mechanische Beständigkeit und strukturelle Langlebigkeit des Trägermaterials über die reine Lichtechtheit der Farben (Wollskala).
  • Rechtliche Pflichten ernst nehmen: Implementieren Sie ein regelmässiges, dokumentiertes Prüfprotokoll, um Ihrer Verkehrssicherungspflicht nach § 823 BGB nachzukommen und Haftungsrisiken zu minimieren.

Wann verblassen Ihre Werbeschilder wirklich und wie verhindern Sie das?

Das Verblassen von Werbeschildern ist der sichtbarste, aber oft am wenigsten kritische Aspekt der Materialalterung. Wie bereits diskutiert, ist die strukturelle Versprödung die weitaus grössere Gefahr. Dennoch ist die Farbstabilität ein wichtiges Qualitätsmerkmal, das die professionelle Anmutung einer Marke über die Zeit bewahrt. Das Ausbleichen, auch als „Fading“ bekannt, wird ebenfalls durch UV-Strahlung verursacht, die die Moleküle der Farbpigmente im Druck zersetzt.

Die Lösung scheint einfach, wie Branchenexperten raten:

Druckfarben bei langfristiger Aussenwerbung können ausbleichen. Planen mit UV-Farben bedrucken. UV-beständig oder lichtecht sollten die Farben sein, damit sie nicht ausbleichen.

– Onlineprinters, Ratgeber für Aussenwerbung und UV-Schutz

Die Verwendung von hochwertigen, lichtechten UV-Farben ist der Grundstein. Diese Farben enthalten Pigmente, die von Natur aus widerstandsfähiger gegen die zersetzende Wirkung von UV-Licht sind. Doch selbst die besten Farben benötigen Schutz. Der entscheidende Faktor, um das Verblassen über viele Jahre wirksam zu verhindern, ist die Kombination aus hochwertigen Pigmenten und einer darüber liegenden Schutzschicht. Ein hochwertiges Schutzlaminat oder ein UV-Schutzlack (wie in Abschnitt 3 beschrieben) filtert einen Grossteil der schädlichen Strahlung, bevor sie die Farbschicht überhaupt erreichen kann. Diese „Opferschicht“ schützt nicht nur das Trägermaterial, sondern auch die Brillanz der Farben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vermeidung von Materialermüdung ein ganzheitlicher Prozess ist. Es beginnt mit der Anerkennung, dass UV-Strahlung ein strukturelles und nicht nur ein ästhetisches Problem ist. Es erfordert eine ingenieurtechnische Herangehensweise, die den Standort analysiert, die Synergieeffekte von UV-Licht und mechanischer Last versteht und auf Basis dieser Analyse das richtige Material, den passenden Schutz und eine fachgerechte Montage wählt. Nur so lassen sich Werbeanlagen realisieren, die nicht nur lange gut aussehen, sondern vor allem lange sicher sind.

Beginnen Sie noch heute mit der systematischen Bewertung Ihrer Standorte und Spezifikationen. Eine vorausschauende Planung ist der Schlüssel, um die Lebensdauer Ihrer Werbeanlagen zu maximieren, die Markenpräsenz zu sichern und Ihre gesetzliche Verkehrssicherungspflicht zu jeder Zeit zu erfüllen.

Geschrieben von ,