
Die Farbwahl im deutschen B2B-Umfeld ist keine Designfrage, sondern eine strategische Entscheidung, die direkt über Markenwahrnehmung und Verhandlungsposition entscheidet.
- Blau dominiert als Code für Vertrauen und technische Kompetenz, ist aber kein Allheilmittel.
- Technische Standards wie HKS und DIN-Normen zur Lesbarkeit sind für den Erfolg wichtiger als globale Farbtrends.
Empfehlung: Analysieren Sie Ihre Markenwerte und Zielgruppe durch die Brille deutscher Kulturcodes, bevor Sie eine Farbe festlegen. Betrachten Sie Farbe als Investition in Ihre visuelle Verbindlichkeit.
Stellen Sie sich eine Preisverhandlung vor. Zwei Angebote liegen auf dem Tisch, technisch und preislich nahezu identisch. Eines kommt in einer Mappe aus hochwertigem Papier, das Logo dezent geprägt, die Unternehmensfarbe ein tiefes, sattes Blau. Das andere wirkt beliebig, die Farben blass, der Gesamteindruck schwach. Welchem Anbieter vertrauen Sie instinktiv mehr? Die Entscheidung für oder gegen einen Lieferanten im deutschen B2B-Markt wird selten allein über Zahlen getroffen. Subtile Signale von Kompetenz und Verlässlichkeit sind oft das Zünglein an der Waage, und hier spielt die visuelle Identität eine entscheidende Rolle.
Die übliche Diskussion über Farbpsychologie erschöpft sich oft in Plattitüden: Blau für Vertrauen, Grün für Nachhaltigkeit, Rot für Energie. Diese Vereinfachungen greifen jedoch zu kurz, insbesondere in einem so anspruchsvollen und traditionsbewussten Markt wie dem deutschen B2B-Sektor. Es geht nicht nur darum, eine „schöne“ Farbe zu wählen. Es geht um die Kenntnis spezifischer Kulturcodes, um technische Präzision bei der Farbwiedergabe und um die demografische Realität einer Gesellschaft, in der Lesbarkeit kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist. Die Farbwahl ist kein dekorativer Akt, sondern ein strategisches Bekenntnis.
Doch was, wenn die wahre Stärke nicht in der Befolgung von Trends liegt, sondern im tiefen Verständnis der Mechanismen dahinter? Dieser Artikel bricht mit oberflächlichen Ratschlägen und taucht tief in die strategische Dimension der Farbwahl ein. Wir analysieren, warum bestimmte Farben in Deutschland eine spezifische Wirkung entfalten, welche technischen Fehler Ihre Botschaft sabotieren und wie Sie eine visuelle Sprache entwickeln, die ohne Worte für Kompetenz und Vertrauen bürgt. Es ist eine Anleitung, Farbe nicht als schmückendes Beiwerk, sondern als mächtiges Werkzeug für Ihren Geschäftserfolg zu begreifen.
Um diese strategische Kompetenz aufzubauen, beleuchten wir das Thema aus verschiedenen, praxisrelevanten Blickwinkeln. Der folgende Überblick zeigt Ihnen die entscheidenden Aspekte, die wir im Detail untersuchen werden, um Ihre Markenkommunikation auf eine solide, wirkungsvolle Basis zu stellen.
Inhaltsverzeichnis: Farbstrategie im B2B: Welche Farben in Deutschland für Kompetenz und Vertrauen stehen
- Warum Blau in Deutschland Vertrauen schafft, aber in anderen Märkten kühl wirkt
- Wie Sie mit Farbleitsystemen komplexe Kataloge intuitiv bedienbar machen
- Pantone-Farbe des Jahres oder Firmenblau: Was gehört auf das langlebige Maschinengehäuse?
- Der Kontrast-Fehler, der Ihre Broschüren für 20 % der Leser unlesbar macht
- Wann Sie HKS oder Pantone einsetzen müssen, um Ihr Marken-Orange exakt zu treffen
- Wann eine Blindprägung wirkungsvoller ist als ein farbiges Logo
- Warum eine schwache Identität Sie bei Preisverhandlungen in die Defensive drängt
- Wie entwickeln Sie eine visuelle Sprache, die ohne Worte verstanden wird?
Warum Blau in Deutschland Vertrauen schafft, aber in anderen Märkten kühl wirkt
Die Farbe Blau ist im Geschäftsleben allgegenwärtig, doch ihre Wirkung ist tief in kulturellen Codes verwurzelt. In Deutschland wird Blau unmittelbar mit Werten wie Verlässlichkeit, Präzision und technischer Kompetenz assoziiert – allesamt Tugenden, die im Ingenieur- und Wirtschaftsland hochgehalten werden. Es ist die Farbe der Beständigkeit und Seriosität. Führende deutsche oder in Deutschland stark präsente Technologie- und Finanzunternehmen wie SAP, Deutsche Bank, Allianz, aber auch internationale Player wie Intel oder PayPal nutzen diese Assoziation gezielt, um Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit zu kommunizieren.
Diese Dominanz ist kein Zufall. Eine Studie von 99designs bestätigt, dass 60 % aller Tech-Logos Blau verwenden, um genau diese professionelle und kompetente Ausstrahlung zu erzielen. Der Griff zu Blau ist somit eine sichere Wahl, um im deutschen B2B-Markt als ernstzunehmender Partner wahrgenommen zu werden. Die Farbe signalisiert: Wir sind stabil, erfahren und liefern Qualität. Sie ist ein ungeschriebenes Versprechen von Professionalität.
Allerdings ist dieser kulturelle Farbcode nicht universell. In anderen Kulturkreisen, insbesondere in Asien oder Lateinamerika, kann Blau als kühl, distanziert oder gar melancholisch empfunden werden. Eine globale Marke muss daher genau abwägen: Stärkt die Farbe die Position im Kernmarkt Deutschland oder schafft sie auf internationalen Märkten eine ungewollte Barriere? Die strategische Farbentscheidung hängt somit nicht nur vom Markenwert, sondern auch vom geografischen Fokus des Unternehmens ab.
Wie Sie mit Farbleitsystemen komplexe Kataloge intuitiv bedienbar machen
Im B2B-Bereich sind Kataloge oft Hunderte Seiten stark und enthalten Tausende von Produkten mit komplexen technischen Daten. Für Einkäufer und Ingenieure ist die Effizienz bei der Produktsuche ein entscheidender Faktor. Ein durchdachtes Farbleitsystem verwandelt einen unübersichtlichen Katalog von einer reinen Informationswüste in ein intuitiv bedienbares Werkzeug. Anstatt sich durch endlose Produktlisten zu kämpfen, können Nutzer Hauptkategorien und wichtige Informationen auf einen Blick erfassen.
Das Ziel ist, Farben nicht dekorativ, sondern funktional einzusetzen. Ein gutes System weist bestimmten Produktgruppen oder Informationstypen eine feste Farbe zu. Zum Beispiel könnte Rot für sicherheitsrelevante Produkte, Grün für umweltfreundliche Lösungen und Blau für das Standardsortiment stehen. Diese semantische Farbzuweisung schafft eine visuelle Abkürzung im Gehirn des Nutzers und beschleunigt den Suchprozess erheblich. Die visuelle Strukturierung sorgt für Klarheit und reduziert die kognitive Last des Anwenders.

Wie die obige Darstellung andeutet, ermöglichen farbige Reiter, Kapitelmarkierungen oder Icons eine schnelle Orientierung. Der Nutzer lernt das System unbewusst und kann sich auf die Inhalte konzentrieren, anstatt Zeit mit der Navigation zu verschwenden. Dies signalisiert dem Kunden Professionalität und ein tiefes Verständnis für seine Bedürfnisse. Eine solche benutzerzentrierte Gestaltung ist ein subtiles, aber starkes Zeichen von Kompetenz.
Ihre 3-Stufen-Methodik zur Entwicklung eines Farbleitsystems:
- Analysieren Sie die Informationsarchitektur Ihres Katalogs und identifizieren Sie logische Haupt- und Unterkategorien als Basis für die Farbcodierung.
- Weisen Sie den Kategorien semantische Farben zu, die intuitiv verständlich sind (z.B. Rot für Warnhinweise, Grün für nachhaltige Optionen).
- Validieren Sie das System durch Nutzertests mit mindestens 10 Anwendern aus Ihrer Zielgruppe, um Verständlichkeit und Akzeptanz sicherzustellen.
Pantone-Farbe des Jahres oder Firmenblau: Was gehört auf das langlebige Maschinengehäuse?
Die Wahl der Farbe für ein langlebiges Investitionsgut wie eine Industriemaschine ist eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Während die „Pantone-Farbe des Jahres“ in der Konsumgüterwelt für kurzlebige Trends steht, muss die Farbe einer Maschine über Jahrzehnte hinweg Beständigkeit und Wertigkeit ausstrahlen. Hier trifft modischer Impuls auf strategische Markenführung. Das firmeneigene Blau, Grau oder Grün ist nicht nur eine Farbe, sondern ein Bekenntnis zu Identität und Langlebigkeit.
Die zentrale Frage ist, welches Farbsystem die Markenidentität am präzisesten und zuverlässigsten über verschiedene Materialien und Produktionsstandorte hinweg sicherstellt. Im deutschen und europäischen Raum hat sich das HKS-Farbsystem etabliert, das von vielen Druckereien und Lackierereien standardmässig verwendet wird. Pantone hingegen ist der globale Standard. Die Wahl zwischen HKS und Pantone ist somit auch eine strategische Entscheidung über den primären Absatzmarkt und die Produktionskette.
Die folgende Matrix verdeutlicht die zentralen Kriterien für die Entscheidung, basierend auf den typischen Anforderungen deutscher B2B-Unternehmen, die ihre Produkte sowohl lokal als auch international vertreiben, wie es eine Analyse von Branding-Strategien zeigt.
| Kriterium | HKS | Pantone |
|---|---|---|
| Hauptzielmarkt | Deutschland/DACH-Region | Global/International |
| Druckpartner-Präferenz | Deutsche Druckereien | Internationale Produktionen |
| Signalwirkung | Lokale Verwurzelung | Globale Standards |
| Kosteneffizienz | Günstiger in Deutschland | Teurer, aber universal |
Letztlich geht es um visuelle Verbindlichkeit. Ein Kunde, der eine Maschine für Hunderttausende von Euro kauft, erwartet, dass Ersatzteile oder ergänzende Module auch nach Jahren noch im exakt gleichen Farbton geliefert werden. Diese Farbkonstanz ist ein nonverbales Signal für Qualitätskonstanz und Zuverlässigkeit – Werte, die durch einen kurzlebigen Farbtrend untergraben würden.
Der Kontrast-Fehler, der Ihre Broschüren für 20 % der Leser unlesbar macht
In der Gestaltung von Printmaterialien wie Broschüren, Datenblättern oder Geschäftsberichten wird oft ein entscheidender Faktor übersehen: die demografische Lesbarkeit. Deutschland hat eine der ältesten Bevölkerungen der Welt. Ein signifikanter Teil der Entscheidungsträger im B2B-Bereich ist über 50 und auf eine gute Lesbarkeit angewiesen. Ein zu geringer Kontrast zwischen Schrift- und Hintergrundfarbe kann dazu führen, dass Ihre sorgfältig erarbeiteten Inhalte für einen grossen Teil Ihrer Zielgruppe schlicht unlesbar sind.
Der Titel spricht von 20 % der Leser, doch die Realität ist noch drastischer. Sehschwächen nehmen mit dem Alter zu, aber auch jüngere Menschen profitieren von klaren Kontrasten, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen oder beim schnellen Überfliegen von Texten. Die deutsche Industrienorm DIN 1450 „Schriften – Lesbarkeit“ gibt hier klare Empfehlungen. Sie rät zu einem Mindestkontrastverhältnis von 4,5:1 für Fliesstexte. Kombinationen wie hellgrauer Text auf weissem Grund oder gelbe Schrift auf hellem Blau mögen modern wirken, unterschreiten diesen Wert jedoch oft dramatisch.
Das Ignorieren dieser Standards ist nicht nur ein Mangel an Empathie, sondern ein strategischer Fehler. Wenn ein potenzieller Kunde Ihre technischen Spezifikationen nicht entziffern kann, greift er im Zweifel zum besser lesbaren Datenblatt des Wettbewerbers. Barrierefreiheit ist kein Nischenthema, sondern ein Qualitätsmerkmal, das Kompetenz und Kundenorientierung signalisiert. Ein Praxistipp ist der „Graustufen-Test“: Konvertieren Sie Ihr Design vor dem Druck in Graustufen. Wenn der Text dann schwer zu lesen ist, ist der Farbkontrast zu schwach und muss dringend optimiert werden.
Wann Sie HKS oder Pantone einsetzen müssen, um Ihr Marken-Orange exakt zu treffen
Stellen Sie sich vor, Ihr Marken-Orange erscheint auf der Visitenkarte in einem leuchtenden Ton, auf der Webseite als verwaschenes Apricot und auf dem Messebanner als schlammiges Braun. Eine solche Inkonsistenz zerstört das Vertrauen in Ihre Marke, bevor Sie überhaupt ein Wort über Ihr Produkt gesagt haben. Die exakte Definition und Reproduktion einer Markenfarbe ist die Grundlage jeder professionellen visuellen Identität. Hierfür sind Sonderfarbsysteme wie HKS oder Pantone unverzichtbar.
Während der vierfarbige CMYK-Druck Farben aus den Grundfarben mischt, was zu leichten Abweichungen führen kann, sind Sonderfarben vorab gemischte, standardisierte Druckfarben. Sie garantieren, dass Ihr Marken-Orange auf jedem Material und in jeder Druckerei der Welt identisch aussieht. Die Investition in ein solches System ist eine Investition in die Wiedererkennbarkeit und Wertigkeit Ihrer Marke. Es signalisiert, dass Sie keine Kompromisse bei der Qualität eingehen.

Die Wahl zwischen dem deutschen HKS-System und dem globalen Pantone-System hängt, wie bereits diskutiert, von Ihrem Zielmarkt und Ihren Produktionspartnern ab. Doch die Notwendigkeit, überhaupt ein solches System zu nutzen, ist unbestreitbar, sobald eine Farbe zu einem zentralen Markenelement wird.
Fallbeispiel: Milkas Lila – Die Macht präziser Markenfarben
Das Branding von Milka mit der charakteristischen lila Farbe war so wirkungsmächtig, dass in einer Studie ein Drittel der Schulkinder in Bayern eine Kuh lila ausmalten. Dieses Beispiel aus dem B2C-Bereich zeigt eindrucksvoll, wie präzise definierte und konsequent eingesetzte Markenfarben zu einem unverzichtbaren, fast greifbaren Markenwert werden können. Dieses Prinzip ist direkt auf den B2B-Markt übertragbar und ein starkes Argument für die Investition in exakte Farbsysteme wie HKS oder Pantone, um eine einzigartige und schützenswerte Markenidentität aufzubauen.
Wann eine Blindprägung wirkungsvoller ist als ein farbiges Logo
In einer Welt voller lauter, bunter Markenbotschaften kann die wirkungsvollste Kommunikation im Verzicht liegen. Eine Blindprägung – das reliefartige Verformen von Papier ohne Farbe – ist eine subtile, aber äusserst kraftvolle Veredelungstechnik. Sie spricht nicht das Auge, sondern den Tastsinn an und vermittelt eine Botschaft, die Farbe allein oft nicht transportieren kann: haptische Wertigkeit und unaufdringliches Selbstbewusstsein. Dies ist die Essenz des „leisen Luxus“, der im deutschen Mittelstand hochgeschätzt wird.
Anstatt mit einem bunten Logo um Aufmerksamkeit zu buhlen, signalisiert eine Blindprägung auf einer Broschüre, einem Geschäftsbericht oder einer Einladungskarte: Unsere Qualität spricht für sich. Wir müssen nicht schreien. Diese Form des Understatements ist besonders in Branchen wie der Unternehmensberatung, dem Private Banking oder im High-End-Maschinenbau wirksam. Die zusätzlichen Kosten für die Prägung sind eine bewusste Investition, die dem Empfänger nonverbal kommuniziert, dass das Unternehmen keine Kompromisse bei der Qualität eingeht – weder bei seinen Produkten noch in seiner Kommunikation.
Fallbeispiel: Blindprägung als Qualitätssignal im deutschen Mittelstand
Viele deutsche Mittelständler, insbesondere aus traditionellen Branchen, nutzen gezielt die Blindprägung als Zeichen von Substanz und Beständigkeit. Diese Veredelungstechnik fungiert wie ein physisches Qualitätssiegel, das dem Empfänger signalisiert: Hier steckt mehr dahinter als eine glatte Oberfläche. Es ist eine Form der Qualitätskommunikation, die Vertrauen schafft, weil sie nicht behauptet, sondern fühlbar macht.
Die Entscheidung für eine Blindprägung anstelle eines farbigen Logos ist dann strategisch klug, wenn die Kernbotschaft der Marke auf Werten wie Exklusivität, Handwerkskunst, Diskretion und höchster Qualität beruht. Es ist die bewusste Abkehr vom Lauten und eine Hinwendung zum Substanziellen. Eine aktuelle Trendstudie des diind von 2025 unterstreicht die Bedeutung solcher Vertrauensanker: Sie belegt, dass 77 % der Befragten Unternehmen mit Servicesiegeln für vertrauenswürdiger halten. Eine Blindprägung wirkt wie ein solches haptisches Siegel.
Warum eine schwache Identität Sie bei Preisverhandlungen in die Defensive drängt
Eine visuelle Identität ist weit mehr als ein Logo und eine Hausfarbe. Sie ist das Gesicht Ihres Unternehmens am Markt. Ist dieses Gesicht austauschbar, blass und inkonsistent, wird auch Ihr Angebot als austauschbar wahrgenommen. Eine schwache visuelle Identität macht Ihr Unternehmen zu einer reinen Ware (Commodity) und zwingt Sie in die Defensive, sobald es um den Preis geht. Wenn der Kunde keinen wahrgenommenen Mehrwert in Ihrer Marke erkennt, wird der Preis zum einzigen Unterscheidungsmerkmal – und der ruinöse Preiskampf beginnt.
Eine starke, konsistent durchgesetzte visuelle Identität hingegen schafft einen emotionalen und qualitativen Ankerpunkt. Ein prägnantes Farbschema, eine durchdachte Typografie und hochwertige Materialien kommunizieren kontinuierlich Professionalität und Wertigkeit. Dieser aufgebaute Markenwert fungiert als Schutzschild in Preisverhandlungen. Der Kunde kauft nicht nur ein Produkt oder eine Dienstleistung; er kauft das Vertrauen, die Sicherheit und das Prestige, das Ihre Marke ausstrahlt. Er ist eher bereit, einen Aufpreis zu zahlen, weil der wahrgenommene Wert höher ist.
Es geht um die grundlegenden Faktoren, die eine Geschäftsbeziehung tragen. Wie Prof. Dr. Seon-Su Kim in einer Studie des bvik betont, sind die entscheidenden Elemente oft nicht die harten Fakten allein. In der bvik-Studie 2024 heisst es dazu treffend:
Vertrauen, Empathie und echtes Kundenverständnis lassen sich nicht allein algorithmisch abbilden.
– Prof. Dr. Seon-Su Kim, bvik-Studie 2024
Genau diese nicht-algorithmischen, menschlichen Faktoren werden durch eine starke visuelle Identität gestärkt. Sie ist der sichtbare Ausdruck Ihres Kundenverständnisses und Ihrer Verlässlichkeit. Eine Investition in Ihr Corporate Design ist somit eine direkte Investition in Ihre Verhandlungsmacht und Ihre Marge.
Das Wichtigste in Kürze
- Farbwahl ist Strategie: Im deutschen B2B-Markt ist Farbe kein Geschmack, sondern ein Code für kulturell verankerte Werte wie Vertrauen und Präzision.
- Technik vor Trend: Die Einhaltung von Standards (DIN 1450 für Kontrast) und die richtige Systemwahl (HKS/Pantone) sind für die Wirkung wichtiger als modische Farben.
- Identität schafft Wert: Eine starke, konsistente visuelle Identität ist ein wirtschaftliches Asset, das Ihr Unternehmen vor Preiskämpfen schützt und Verhandlungsmacht schafft.
Wie entwickeln Sie eine visuelle Sprache, die ohne Worte verstanden wird?
Eine visuelle Sprache ist das Gesamtsystem aller gestalterischen Elemente, das die Identität und die Werte eines Unternehmens konsistent kommuniziert. Sie geht weit über ein Logo hinaus und umfasst Farben, Schriften, Bildwelten, Layout-Raster und Icon-Stile. Wenn sie gut gemacht ist, wird sie international und intuitiv verstanden – sie vermittelt Kompetenz, ohne dass ein Wort gelesen werden muss. Das Ziel ist es, eine unverwechselbare und wiedererkennbare Präsenz zu schaffen, die in jedem Kontaktpunkt mit dem Kunden – von der Webseite bis zur Maschinensteuerung – die gleiche Botschaft sendet: Wir sind professionell, strukturiert und verlässlich.
Der Schlüssel zur Entwicklung einer solchen Sprache liegt in der Definition von klaren Leitplanken. Es geht darum, ein Regelwerk zu schaffen, das genügend Flexibilität für kreative Anwendungen lässt, aber gleichzeitig die visuelle Verbindlichkeit sicherstellt. Jedes Element muss einen Zweck erfüllen. Die Typografie muss nicht nur schön, sondern vor allem lesbar sein. Die Bildsprache sollte nicht nur schmücken, sondern die Markenwerte transportieren – zum Beispiel durch die Darstellung von präziser Ingenieursarbeit statt austauschbarer Stockfotos von lächelnden Menschen im Büro.
Checkliste zur Entwicklung Ihrer visuellen Sprache
- Kerndefinition: Definieren Sie Ihre Kern-Farbpalette basierend auf deutscher Farbpsychologie (z. B. Blau für Vertrauen, Grau für Solidität, Akzentfarben für Innovation).
- Typografie: Wählen Sie eine typografische Hierarchie, die Klarheit und technische Kompetenz ausstrahlt (z. B. eine serifenlose Schrift wie die DIN für technische Dokumente).
- Icon-Stil: Entwickeln Sie einen konsistenten Icon-Stil, der Effizienz und Eindeutigkeit kommuniziert und komplexe Sachverhalte vereinfacht.
- Layout-System: Etablieren Sie ein Grid-System (z. B. basierend auf dem Goldenen Schnitt), das für harmonische und geordnete Layouts auf allen Medien sorgt.
- Kultur-Check: Testen Sie Ihre visuelle Sprache international – was in Deutschland als kompetent wahrgenommen wird, kann anderswo als kühl oder autoritär missverstanden werden.
Letztendlich wird Vertrauen nicht nur durch das geschaffen, was Sie sagen, sondern durch das, was Sie tun und wie Sie auftreten. Ein eindrückliches Beispiel zeigt, wie gelebte Kompetenz zur visuellen Sprache wird. Ein deutscher Vertrieb für Fräswerkzeuge baute seinen Erfolg darauf auf, dass die Aussendienstmitarbeiter als echte Experten auftraten. Sie testeten neue Werkzeuge direkt beim Kunden vor Ort und optimierten gemeinsam Prozesse. Diese sichtbare Kompetenz, gepaart mit persönlicher Verbindlichkeit und einer durchgängigen Markenpräsenz in Kleidung und Unterlagen, machte das Unternehmen zum unverzichtbaren Partner. Die Marke wurde zum Synonym für Problemlösung.
Die strategische Nutzung von Farben und visueller Gestaltung ist kein optionales Extra, sondern ein fundamentaler Hebel für den Erfolg im deutschen B2B-Markt. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Corporate Design nicht nur als Kostenfaktor, sondern als strategische Investition in Ihre Marke und Ihre Verhandlungsposition zu betrachten.
Häufig gestellte Fragen zu Farbstrategien im B2B
Welche Kontrastwerte sind nach DIN 1450 für Printmaterialien empfohlen?
Die DIN 1450 empfiehlt einen Mindestkontrast von 4,5:1 für normale Textgrössen und 3:1 für grosse Texte, um optimale Lesbarkeit für alle Nutzergruppen, insbesondere für Menschen mit Sehschwächen, zu gewährleisten.
Wie teste ich den Kontrast meiner Druckprodukte praktisch?
Verwenden Sie bereits in der Designphase digitale Kontrastprüftools (viele sind online kostenlos verfügbar). Ein entscheidender Praxistest ist zudem die Konvertierung des Layouts in Graustufen. Wenn Text oder wichtige Elemente in der Schwarz-Weiss-Ansicht schwer erkennbar sind, ist der Farbkontrast zu gering und sollte dringend überarbeitet werden.
Welche Farbkombinationen sollten vermieden werden?
Generell sollten Kombinationen mit geringer Helligkeitsdifferenz vermieden werden. Dazu gehören insbesondere hellgrauer Text auf weissem Grund, gelbe Schrift auf Weiss sowie hellblaue Elemente auf einem hellgrauen Hintergrund. Diese Kombinationen fallen regelmässig bei Barrierefreiheitstests durch und erschweren die Lesbarkeit erheblich.